Beuys

Der Künstler und Kassel

Beuys in KAssel

 

1964

Teilnahme an der documenta III

Beuys vor Vitrine mit "Bienenkönigin" 1964 | © documenta archiv / Foto: Werner Lengemann
Beuys vor Vitrine mit "Bienenkönigin" 1964 documenta archiv / Foto: Werner Lengemann

Der studierte Monumentalbildhauer und Düsseldorfer Kunstprofessor wird 1964 erstmals zu einer documenta-Ausstellung eingeladen. Er war in den Abteilungen „Handzeichnung“ und „Aspekte 64“, die der jüngeren Kunst galt, vertreten. Mit der Arbeit „Bienenkönigin“ zeigte Beuys plastische Objekte aus Bienenwachs, Buchsbaumholz und Ton, die in einer Vitrine präsentiert wurden.

 

 

1968

Teilnahme an der 4. documenta

Joseph Beuys (Mitte) vor seiner Werkgruppe Raumplastik bei der Eröffnung der 4. documenta in Kassel | © bpk / Abisag Tüllmann / VG Bild-Kunst, Bonn 2021
Joseph Beuys (Mitte) vor seiner Werkgruppe Raumplastik bei der Eröffnung der 4. documenta in Kassel bpk / Abisag Tüllmann / VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Joseph Beuys vor seiner Werkgruppe „Raumplastik“ bei der Eröffnung der 4. documenta in Kassel.  Die insgesamt 10 x 12 Meter große Rauminstallation war eine Zusammenstellung vieler verschiedener, kleinerer und größerer Installationen und plastischer Objekte, die in den Jahren 1952 bis 1967 entstanden waren. Eine Vielzahl der Objekte war mit dem für den Künstler so wichtigen Werkstoff Filz überzogen. Das Objekt „Fond II“ neben dem Joseph Beuys auf dem Foto steht, war hingegen mit einer Kupferplatte versehen, durch die Hochspannungswechselstrom geleitet wurde.

 

 

1972

Teilnahme an der documenta 5

Joseph Beuys: Büro der Organisation für direkte Demokratie durch Volksabstimmung. documenta 5 (1972). | © documenta archiv / Foto: Brigitte Hellgoth
Joseph Beuys: Büro der Organisation für direkte Demokratie durch Volksabstimmung. documenta 5 (1972). documenta archiv / Foto: Brigitte Hellgoth

Während der gesamten 100 Tage der documenta 5 war Joseph Beuys vor Ort und diskutierte täglich 10 Stunden lang in seinem „Büro für direkte Demokratie durch Volksabstimmung“ mit Besucher*innen.

Dort vertrat Beuys seine Vorstellungen, wie die Gesellschaft durch kreatives Handeln verändert werden könnte und zielte damit auf die Bewusstseinsbildung der Menschen ab. Zentrale Accessoires waren eine schmale Glasvase auf dem Schreibtisch mit einer Rose, die jeden Tag ersetzt wurde, und große Tafeln, auf denen Beuys wichtige Ideen und Gedankenmodelle festhielt.

 

© documenta archiv / Foto: Werner Lengemann / VG Bild-Kunst, Bonn 2021
documenta archiv / Foto: Werner Lengemann / VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Am 8. Oktober 1972 um 15 Uhr begegneten sich zwei Künstler, die beide auf der documenta 5 vertreten waren, in einem im Museum Fridericianum aufgebauten Boxring. Abraham David Christian, Zeichner und Bildhauer, war mit Joseph Beuys in seinem „Büro für direkte Demokratie und Volksabstimmung“ in einen Streit über das erweitere Kunstverständnis gekommen. Die ungeklärte Diskussion entschied Beuys im Boxkampf für sich.

 

 

1976

Eröffnung des Beuys-Raum in der Neuen Galerie

Raumansicht von Joseph Beuys' "The Pack (das Rudel)" in der neuen Galerie | © Museumslandschaft Hessen Kassel / Foto: Arno Hensmanns / VG Bild-Kunst, Bonn 2021
Raumansicht von Joseph Beuys' "The Pack (das Rudel)" in der neuen Galerie Museumslandschaft Hessen Kassel / Foto: Arno Hensmanns / VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Joseph Beuys eröffnet den von ihm eingerichteten Raum im Erdgeschoss der Neuen Galerie. Zentrales Werk ist „The Pack (das Rudel)“ (1969). Der alte WV-Bus gehörte vorher dem Galeristen und späteren künstlerischen Leiter der Kunsthalle Fridericianum, René Block, die Schlitten – mit Filz, Fett und Taschenlampe drapiert, stammen aus der DDR. Darüber hinaus sind vier Vitrinen, 29 Zeichnungen und sieben plastische Bilder zu sehen.

Zunächst wurde „The Pack (das Rudel)“ als Leihgabe ausgestellt, 1993 konnte das Werk angekauft werden. Der Raum befindet sich heute noch immer im originalen Zustand.

 

 

1977

Teilnahme an der documenta 6

Auch zur documenta 6 war Joseph Beuys die gesamten 100 Tage in Kassel und mit einer raumgreifenden Installation sowie einem  internationalen Debattenforum vertreten.

 

Installationsansicht mit "Honigpumpe am Arbeitsplatz" von Joseph Beuys. documenta 6 (1977). | © documenta archiv / Foto: Dieter Schwerdtle / VG Bild-Kunst, Bonn 2021
Installationsansicht mit "Honigpumpe am Arbeitsplatz" von Joseph Beuys. documenta 6 (1977). documenta archiv / Foto: Dieter Schwerdtle / VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Die Installation "Honigpumpe am Arbeitsplatz" in der Rotunde des Fridericianums pumpte 150 Kilogramm Honig durch ein Schlauchsystem und bewegte eine kupferne Antriebswelle durch 100 Kilogramm Margarine. So stellte Beuys einen Bezug zu den zirkulatorischen Systemen im Menschen her, z.B. zum Blutkreislauf, installierte aber gleichzeitig einen energetischen Kreislauf zum zentralen Diskussionsraum der „Free International University“, durch den der Honig im Schlauch auch gepumpt wurde.

 

„Free International University“  | © documenta archiv / Foto: Dieter Schwerdtle / VG Bild-Kunst, Bonn 2021
„Free International University“ documenta archiv / Foto: Dieter Schwerdtle / VG Bild-Kunst, Bonn 2021

In der „Free International University“ diskutierte Joseph Beuys mit internationalen Aktivist*innen und den Besucher*innen große Fragen der Zukunft.

Die von Joseph Beuys, Klaus Staeck u.a. 1973 als Verein gegründete Freie internationale Hochschule für Kreativität und interdisziplinäre Forschung e.V. (auch: Free International University) war ein gesonderter künstlerischer Gruppen-Beitrag zur documenta 6. Ihr Programm war verteilt auf die gesamte Ausstellungsdauer und umfasste mehrere Arbeitsgemeinschaften und Workshops, Vorträge, Diskussionsrunden, Aufführungen und Aktionen. Inhalte waren brisante gesellschaftliche Themen wie beispielsweise Atomkraft, Nord-Irland, Gewalt und Verhalten, Migranten und Gastarbeiter, Medien oder auch „Welt“.

Die Aufnahme zeigt eine Diskussionsveranstaltung vor dem Museum Fridericianum u.a. mit Joseph Beuys (r.)

 

 

1982

Teilnahme an der documenta 7

Mit seinem Beitrag zur documenta 7 „Aktion 7000 Eichen – Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung“ verband Beuys künstlerische, politische, ökologische und soziale Aspekte zu einem stadtweiten Kunstwerk.

 

Anlieferung der ersten Basaltblöcke für die "Aktion 7000 Eichen" auf dem Friedrichsplatz | © documenta archiv / Foto: Dieter Schwerdtle / VG Bild-Kunst, Bonn 2021
Anlieferung der ersten Basaltblöcke für die "Aktion 7000 Eichen" auf dem Friedrichsplatz documenta archiv / Foto: Dieter Schwerdtle / VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Für die Aktion, die Beuys unter anderem mit seiner Teilnahme an einer Werbekampagne für eine japanische Whiskeymarke finanzierte, ließ er 7000 Basaltblöcke auf dem Friedrichsplatz zu einem gigantischen Keil aufschichten. Bei der Anlieferung der ersten Basaltblöcke am 15. März 1982 waren unter anderem Joseph Beuys (r.), Fernando Groener, Geschäftsführer "Koordinationsbüro 7000 Eichen" (3.v.r.) und Rudi Fuchs, künstlerischer Leiter documenta 7 (3.v.l.), zugegen.

 

Am 16. März 1982 pflanzte Joseph Beuys den ersten Baum der 7000 Eichen vor dem Fridericianum | © Stadtarchiv Kassel / Foto: Renate Lehning / VG Bild-Kunst, Bonn 2021
Am 16. März 1982 pflanzte Joseph Beuys den ersten Baum der 7000 Eichen vor dem Fridericianum Stadtarchiv Kassel / Foto: Renate Lehning / VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Die erste Eiche pflanzte Beuys am 16. März 1982 neben die vor dem Fridericianum aufgeschütteten Basaltstelen. Immanente Themen seines Werkes waren ökologischer Wandel und Bürgerbeteiligung. Die 7000 Eichen wurden mithilfe vieler Freiwilliger, durch Unterstützung von Anwohner*innen und von einem diversen öffentlichen Diskurs begleitet. Bis heute wirkt das Kunstwerk gestaltend auf die Gesellschaft und ist ein Paradebeispiel für die Soziale Plastik.

 

Arbeitsgespräch über das weitere Vorgehen in Bezug auf die "Aktion 7000 Eichen" nach dem Ende der documenta 7 im Büro des Kasseler OB   | © documenta archiv / Foto: Dieter Schwerdtle
Arbeitsgespräch über das weitere Vorgehen in Bezug auf die "Aktion 7000 Eichen" nach dem Ende der documenta 7 im Büro des Kasseler OB documenta archiv / Foto: Dieter Schwerdtle

Im Büro des Kasseler Oberbürgermeisters berieten Ludolf Wurbs, Kasseler Stadtrat, OB Hans Eichel, Joseph Beuys, Johannes Stüttgen (Geschäftsführer Free International University) und Wolfgang Ziegler (Geschäftsführer documenta GmbH) (v.l.n.r.) über das weitere Vorgehen in Bezug auf die „Aktion 7000 Eichen“ nach dem Ende der documenta 7. Zu diesem Zeitpunkt waren rund 5500 Bäume gepflanzt und mit Stelen versehen. Die übrigen Basaltstelen lagerten weiterhin auf dem Friedrichsplatz und harrten darauf, mit den nachfolgenden Baumpflanzungen einen neuen Standort in der Stadt zu erhalten.

 

 

1986

Joseph Beuys stirbt am 23. Januar 1986 in Düsseldorf, im Alter von 65 Jahren.

 

 

1987

Beteiligung an der documenta 8

 

Pflanzung der 7000. Eiche | © documenta archiv / Foto: Frank Mihm
Pflanzung der 7000. Eiche documenta archiv / Foto: Frank Mihm

Joseph Beuys‘ Sohn Wenzel pflanzte am 12. Juni 1987 die 7000ste Eiche auf dem Friedrichsplatz, unweit des ersten Baumes. Auf der Aufnahme sind u.a. zu sehen (v.l.n.r.): Christiane Thalgott, Eva Beuys, Klaus Staeck, Manfred Schneckenburger, OB Hans Eichel, Hans-Jürgen Taurit, Wenzel Beuys.

 

Beuys, Joseph, Blitzschlag mit Lichtschein auf Hirsch | © documenta archiv / Foto: Frank Mihm / VG Bild-Kunst, Bonn 2021
Beuys, Joseph, Blitzschlag mit Lichtschein auf Hirsch documenta archiv / Foto: Frank Mihm / VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Im Fridericianum war die Rauminstallation „Blitzschlag mit Lichtschein auf Hirsch“, 1958-1985, zu sehen. Das Kunstwerk befindet sich im Besitz der Sammlung des Museum für Moderne Kunst (MMK) in Frankfurt am Main.

 

 

1992

Beteiligung an der documenta IX

Jan Hoet, künstlerischer Leiter der documenta IX, richtete im Zwehrenturm des Fridericianums ein „kollektives Gedächtnis“ ein. Mit Museumsleihgaben von Joseph Beuys, James Lee Byars, Jacques-Louis David, James Ensor, Paul Gauguin, Alberto Giacometti und Barnett Newman, kuratierte und inszenierte er seine persönlichen Ikonen – die „Vertreter revolutionärer Werke“. Von Beuys wurde die Installation „Wirtschaftswerte“ gezeigt, bei der DDR-typische Lebensmittel in schlichten, offenen Eisenregalen drapiert waren. 1980 war sie erstmals in Gent gezeigt worden und von Jan Hoet für das Stedelijk Museum voor Actuele Kunst erworben worden.

Programme Anderer städte

 

NRW

Beuys2021
Überblick über Aktionen zum Beuys-Jubiläum weltweit

 

Berlin

→ Von der Sprache aus. Joseph Beuys zum 100. Geburtstag.
24. April bis 8. August im Hamburger Bahnhof

 

Bonn

→ Beuys - Lehmbruck. Denken ist Plastik.
25. Juni bis 1. November in der Bundeskunsthalle

 

Darmstadt

Joseph Beuys. Ulysses.
30. Juni bis 29. September im Hessischen Landesmuseum Darmstadt

 

Duisburg

Lehmbruck - Beuys. Alles ist Skulptur. 26. Juni bis 1. November im Lehmbruckmuseum

 

Düsseldorf

Jeder Mensch ist ein Künstler. Kosmopolitische Übungen mit Joseph Beuys.
27. März bis 15. August im K21 / Kunstsammlungen NRW

Mataré + Beuys + Immendorf Begegnungen der Werke von Lehrer und Schüler.
27. März bis 20. Juni in der Kunstakademie Düsseldorf

 

Dresden

Beuys zum Geburtstag. Linie zu Linie - Blatt um Blatt.
23. Juli bis 17. Oktober in den Staatlichen Kunstsammlungen

 

Essen

Die unsichtbare Skulptur. Der Erweiterte Kunstbegriff nach Joseph Beuys. 10. Mai bis 26. September im Zollverein, Halle 8.

 

Hannover

Joseph Beuys / 100!
18. April bis 8. August in der Kestner Gesellschaft

 

München

Joseph Beuys - 100 Jahre. Im Lehnbachhaus 

Ich strahle aus. 100 Jahre Joseph Beuys.
25. Juni bis 10. Oktober in der Pinakothek der Moderne

 

Stuttgart

→ Joseph Beuys. Der Raumkurator.
26. März bis 18. Juli in der Staatsgalerie

 

Ulm

→ Ein Woodstock der Ideen - Joseph Beuys, Achberg und der deutsche Süden. 23. Januar bis 4. Juli im Museum Ulm

 

Wiesbaden

Beuys 100. Interventionen zum Jubiläumsjahr.
8. Juni bis 10. Oktober im Museum Wiesbaden